Countdown 24

2011 - The Pocky year

2. 12. 2007 - Unterstadt

Vor einer Weile ist mir dieses Bild wieder in den Kopf gejumpt. Plop, da war's. Und das erste Wort, was mir dazu einfiel, war "Unterstadt".

"Unterstadt". Eine Stadt in der Tiefe. Leer, alt, verlassen. So eine Stadt gibt es auf Laputa, da wurde sie vom Wasser bedeckt. Und in "Tramps like Us" auch, in diesen komischen zwei Folgen, wo Sumire und Momo zu diesem See mit den Wassernixen fahren. Städte im Wasser finde ich irgendwie romantisch. Da schwimmen kleine Fischis durch, die Wellen spielen drüber und verwischen die Konturen, die Gebäude sind veralgt. Das Wasser schafft für die Städte eine Art Parallelwelt, eine Illusion der Bewegung und dadurch ein wenig auch eine Illusion von "Leben".

"Unterstadt". In WoW heißt so die Hauptstadt der Untoten in Tirisfal. In den Krypten unter den Ruinen einer ehemaligen Königsstadt laufen haufenweise Zombies und Skelette rum, Geister und Ghuls und fette Zyklopen. In den Kanälen fließt kein Wasser sondern grüne Schleimgrütze, aus der man nur Totenköpfe angeln kann. Aber irgendwie - es ist vielleicht leicht eklig oder widerlich, aber nicht wirklich gruselig. Dafür ist die Stadt noch viel zu lebendig.
Wenn man die Stadt zu Fuß verlässt, läuft man an der Oberfläche durch die Überreste von Lordaeron. Gestürzte Statuen, Gesichter, die starr und schief in den Himmel sehen. Eingestürzte Brücken, kaputte Wege, Verfall. Und ein Einheitsgrau, das sich über alle noch nicht geflohenen Farben legt und sie erstickt. Und Stille. Das, was eine versunkene Stadt erst zur Unterstadt macht.

"Unterstadt". Das alte Central City ist unheimlich - faszinierend. Man bekommt die Stadt nur drei Minuten lang gezeigt und alles, was man sieht, sind Häuser. Weder verfallen noch beschädigt, einfach nur Gebäude, Häuser und Kirchen und Türme. Aber sie sind leer. Und die Straßen sind auch leer und diese Leere erdrückt dich. Es sieht aus wie eine normale Stadt und wenn man die Augen schließt, kann man, wenn man will, die Leute sehen und hören, wie sie durch die Straßen laufen und lachen und einkaufen, ihre Kinder an der Hand hinter sich herziehen und mit dem süßen Typ von nebenan flirten. Und dann öffnet man die Augen wieder und hat nichts. Nur diesen Dunst, der über dem ganzen surrealen Gebilde hängt und wie ein schwarzes Loch alles einsaugt, was auch nur einen Schleier von Sein trägt.
Und jetzt stell dir vor, es würden doch noch Menschen hier leben. Und keiner "oben" weiß davon. Zwei Städte, getrennt durch ein paar hundert Meter Distanz. Sie könnten komplett nebeneinander existieren, ohne sich zu berühren, ohne voneinander zu ahnen. Es könnte oben einen Militärpusch geben, während unten das heilige Fest von der großen Anima Frissa gefeiert wird. Es könnte unten ein Stadtbrand stattfinden, während oben ein König gekrönt wird. Man könnte hier das neue Album von den Red Hot Chili Peppers veröffentlichen, während man dort gerade eine weitere Orgel einweiht.

"Unterstadt". Dieses Bild ist für mich in seiner ganzen Verlassenheit unheimlich anziehend, weil es gleichzeitig von so viel vergangenem Leben und gegenwärtigem Nichts spricht. Durch diese Stadt zu laufen wäre für mich tausend Mal schlimmer und beänstigender, als in Undercity hinter der nächsten Ecke von einem Golem angefallen zu werden. Feuerblitz, Meuchelkombo, tot, Level-Up. In Unterstadt hätte ich Angst, einfach zu verschwinden, in die Leere hineinzudiffundieren und für alle Ewigkeit in dieser Stadt gefangen zu bleiben.

2.12.07 13:15