Countdown 24

2011 - The Pocky year

10. 12. 2007 - Tsirim

Zwischen den Steinen das Moos, grünbraune Flecken auf blassgrauem Untergrund. In den Rissen wuchsen Disteln und Huflattich, reckten sich hinauf in die fahle Sonne, frängten nach oben und versuchten, die Mauern zu unterwerfen.

Stellenweise komplette Verwüstung. Tabula rasa, alle Steine zu Staub zermahlen unter den stampfenden Schritten der wütenden Riesen. Anderswo ragten nur noch verkohlte Pfeiler in den verhangenen Himmel hinauf, anklagende Finger der misshandelten Erde. Scherben zwischen den Säulenreihen, vermodernde Stofffetzen, zerlöchert durch den sauren Regen, die goldenen Zierfäden von Elstern aus dem Gewebe gerissen.

Doch die stärksten Mauern standen noch. Die Wände der Halle waren nicht eingebrochen, standhaft schirmten sie den ihnen anvertrauten Platz ab. Vom Kampf gezeichnet aber stur erhoben sie sich zu ihrer vollen Größe, stützten einen großen Teil der noch verbliebenen Decke. Die Stufen zwar zusammengefallen, aber das Treppenhaus war noch dort. Der östliche Turm hatte sein Dach verloren, das Reed schon beim Sturm verweht und die Reste den Flammen zum Mahl gefallen. Aber er stand.

Lithion war stundenlang erstarrt. Er sah, konnte nicht begreifen, fühlte dann die Erkenntnis langsam sich anschleichen. Gefangen in Unglaube, in Schmerz, in Verzweiflung, Wut und hörte auf einmal das rasche Flattern kleiner Flügel. Ein Schatten bewegte sich über den verfallenen Platz, ein Vogel, sein Ziel ein überstehender Holzbalken über dem ehemaligen Tor. Lithion hörte aufgeregtes Fiepen, sah sich reckende dürre Hälse.

Rote Schnäbel im farblosen Grau der Verwüstung.

Rote Blutstropfen auf dem grellen Weiß des unberührten Schnees.

Er würde Tsirim wieder aufbauen. Er würde es für sie wieder aufbauen.

10.12.07 14:18