Countdown 24

2011 - The Pocky year

3. 12. 2008 - Drabbles

Bisher hatte es Renji nicht groß gekümmert, wenn er in Kidou nicht der Allerbeste war, er war mit seinem großen Maulwerk und Zabimarus Kraft und Reichweite immer gut durchgekommen. Und nachdem er Bankai erreicht hatte, fühlte er sich sowieso allen überlegen. (Kuchiki-taichô zählte nicht. Und sowieso - strenggenommen hatten sie in diesem Kampf ungleiche Voraussetzungen gehabt, Kuchiki-taichô kam von seinem Schönheitsschlaf und er vom Krankenbett, also musste man das alles relativ sehen.) Außerdem hatte er zu lange Zeit in der 11ten Division verbracht, um die dort herrschende geringschätzige Haltung gegenüber Kidou von heute auf morgen einfach abzulegen.

Aber jetzt hatte er die Grenzen seiner Kampfweise deutlich unter die Nase gerieben bekommen. Szayel Apollo hatte ohne auch nur einen einzigen Finger zu rühren all seine physischen Attacken kurzerhand vaporisiert und als er dann gezwungenermaßen doch auf Kidou zurückgreifen musste, hatte er sich dabei selbst in die Luft gesprengt. Hervorragend. Falls Ishida jemals ein Wort darüber verlieren sollte, würde er teuer, teuer dafür bezahlen.

All das ginge ja eigentlich noch - er dachte gerne in einfachen kausalen Zusammenhängen und wenn man einen Kampf überlebt hatte, hatte man ihn gewonnen (auch wenn man die gesamte zweite Hälfte nur zuschaute); er verstand bis heute nicht, warum Kurosaki damals so viel Wert auf eine Unterscheidung gelegt hatte1). Aber er musste es sich nicht bieten lassen, dass sich dieser lausige kleine erst-seit-einem-dreiviertel-Jahr-und-dann-nur-Aushilfs-Shinigami dazu noch über seine Fähigkeiten lustig machte2)! Kurosaki hatte doch selbst keinen blassen Dunst von Kidou und seine Reiatsukontrolle war lächerlich und...

Das Ganze wurmte Renji mächtig.

Und aus diesen Gründen - und weil, ganz am Rande und nur so nebenbei bemerkt, sogar Rukia sich über sein kleines kümmerliches Feuerbällchen amüsiert hatte - stand er jetzt vor den Baracken der 7ten Division und bat Hisagi murmelnd um ein bisschen Training.

 

1) Siehe erster Kampf mit Grimmjow

2) Siehe die Szene, in der sie durch die Flure in Las Noches laufen und Renji mit Shakkahô Licht machen will

 

 

Als Haruhi zum ersten Mal die Statue des pinkelnden Nackedeis im Brunnen auf Ourans Nebenhof gesehen hatte, war sie etwas verwundert. Sie hatte sich Ouran immer als feine prüde Privatschule vorgestellt, deren Schüler täglich von vorne bis hinten behütet und verwöhnt wurden. Und solch eine exhibitionistische Statue würde demzufolge doch eine Gefahr für die zart besaiteten Gemüter der Töchter aus reichem Hause darstellen.

Dann lernte sie den Hostclub kennen. Bei dem Twinzest an der Tagesordnung war, fast alle Mitglieder durchgängig in Innuendos sprachen und homoerotische Tendenzen aufwiesen und die "Kundinnen" allesamt Yaoi-Fangirls erster Klasse waren. Zart besaitet? Haruhi sortierte ihre Vorurteile neu. Vollkommen durchgeknallt.

Dass sie selbst die Statue überhaupt nicht mehr registrierte, als sie damals ihre Schulhefte aus dem Teich fischte, lag allerdings weniger an degenerierten Moralvorstellungen als an einem sonnenbestrahlten tropfnassen und viel zu charmanten Tamaki.

(Aber das musste ja niemand wissen.)

 

 

Schon bevor der Ball auf seiner Seite des Netzes aufschlug, wusste er, dass er das Match verloren hatte. Er hatte es verloren. Verloren. Verloren. Verloren.

Die Worte drehten sich während der nächsten Viertelstunde wie eine kaputte Schallplatte in seinem Kopf und sein Magen fühlte sich an, als wäre er voll aufgequollener Watte. Seine Autopilot sprang an und dirigierte ihn in Richtung Ausgang, nach Hause. Hinter ihm liefen drei Jungen lachend und mit wehender Schulfahne vorbei; es war die falsche.

Eigentlich hatte er geplant, nach dem Spiel zu Inui-senpai zu fahren, ein oder zwei Bier auf seinen Sieg zu trinken und Senpais neues Mario Cart Wii einzuweihen. Aber jetzt fühlte er sich mehr danach, sich unter seiner Decke zu verkriechen und den Rest des Tages "Days in grief" in Dauerschleife zu hören. (Außerdem brauchte sein imaginärer Hamster noch ein neues Nest.)

Seufzend kramte er sein Handy heraus, um Inui anzurufen. Da hatte er zwar eigentlich auch keine Lust zu, aber erstens sollte er wenigstens absagen und zweitens hatte er Senpai versprochen nach dem Spiel anzurufen, da er wegen einer Vorlesung nicht selbst zum Spiel kommen konnte. Er hatte zwar das unterschwellige Gefühl, dass der Anruf seinen Zweck völlig verfehlte, da Inui aus seinen geheimen Kanälen bestimmt schon informiert war und die durchschnittliche Dauer der Ballwechsel nebst der prozentualen Häufigkeit von Assen analysiert hatte, aber eine Predigt über korrektes Verhalten gegenüber Senpais stand auch nicht auf seiner Favoritenliste.

Er drückte die Schnellwahltaste und Inui nahm gleich nach dem ersten Läuten ab.

"Kaidoh!"

"Inui-senpai."

"Wie war das Spiel?"

"... ich hab verloren."

Es blieb für 5 Sekunden still in der Leitung, dann hörte er das Geräusch von geschäftigem Rumkramen und Schubladen, die aufgezogen wurden.

"Ah. Das passt gut."

"Senpai?!"

"Oh, entschuldige, das war - etwas unpassend formuliert. Ich meine, es passt gut, weil ich ohnehin gerade ein bisschen Bewegung gut gebrauchen kann. Nach dem ewigen Sitzen in den unbequemen Bänken fühl ich mich immer ganz steif. Bist du noch unterwegs? "

"... äh ja, drei Blocks von meiner Wohnung, aber was -"

"Sehr gut. Wenn ich mich ein bisschen beeile, kann ich dich in 20 Minuten abholen. Dann hast noch genug Zeit, eben deine Sachen abzustellen."

"Senpai, ich fürchte, ich verstehe nicht ganz. Wozu genau willst du mich abholen?"

"... oh. Entschuldige, Kaidoh, ich scheine heute ein wenig langsam zu denken. Ich hätte erst fragen sollen, ob meine Begleitung überhaupt erwünscht ist, du möchtest wahrscheinlich beim Laufen lieber deine Ruhe haben."

"Laufen?"

"Ja sicher. Erzähl mir nicht, dass du nicht gleich wieder anfängst zu trainieren. In der Hinsicht bist du so voraussehbar, da brauch ich nicht mal meine Daten. Du denkst doch jetzt schon wieder ans nächste Match und was du besser machen kannst. Noch schneller, noch mehr Kraft, noch mehr Ausdauer, mehr Präzision - du verschwendest keine Zeit mit nutzloser Frustration. Das ist auch der Grund, warum ich sage, dass du in ein paar Jahren ganz oben stehen wirst, deine enorme Disziplin und Zielstrebigkeit. Davon könnte ich für meine Kurse auch ein bisschen was gebrauchen, fürchte ich..."

"Hab ich das?"

"Was bitte?"

Kaidoh lächelte. "Ah, vergiss es, Senpai. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mit laufen kommst. In 20 Minuten bei mir? Und bring vorsichtshalber deinen Schläger mit."

"Gerne. Dann bis gleich."

Die Watte hatte sich aufgelöst. Und vielleicht konnte er mit Senpai nachher noch ein paar Leute auf den Straßentennisplätzen wegputzen.

3.12.08 00:59